12.12.2019

4.000 PS starkes Doppelherz für die neue HAMBURG

Schiffbauer haben am Donnerstag, 12. Dezember 2019, auf der Fr. Fassmer-Werft in Berne-Motzen in den vierten Seenotrettungskreuzer der neuen 28-Meter-Klasse zwei wahre Kraftpakete eingebaut: Die beiden Hauptmaschinen wiegen zusammen 7,6 Tonnen und sind mit ihren insgesamt 32 Zylindern fast 4.000 PS stark. Das Spezialschiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist für die Station Borkum bestimmt. Nach seiner Ablieferung im Frühjahr 2020 soll der Neubau die Emsmündung und weite Teile der Deutschen Bucht sichern. Er löst die 1988 gebaute ALFRIED KRUPP ab. Die Taufe der neuen HAMBURG findet am Sonntag, 19. April 2020, in der Hansestadt an der Elbphilharmonie statt.

Es ist Millimeterarbeit auf der Fassmer-Werft: Die Schiffbauer müssen eine schwebende Tonnenlast behutsam, langsam Stück für Stück in die richtige Position schieben, damit sie am Ende exakt auf ihrem Fundament sitzt. Von dort aus werden die beiden fast 4.000 PS starken Hauptmaschinen die neue HAMBURG antreiben und auf bis zu 24 Knoten (ca. 45 km/h) beschleunigen. Beim Einbau dürfen weder die Führungsleinen des Hallenkrans irgendwo anecken, noch dürfen die beiden Motoren gegen den Neubau stoßen. Dieser wird wie alle Rettungseinheiten der DGzRS im bewährten Netzspantensystem vollständig aus Aluminium gebaut, ist als Selbstaufrichter konstruiert und wird ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert. Mit der Aktion „Spendemanöver: HAMBURG wird Seenotretter!“ rufen die Seenotretter alle Einwohner und Freunde Hamburgs auf, sich an der Finanzierung des Spezialschiffes für die Station Borkum zu beteiligen.

Als erstes setzen die Schiffbauer die Backbordmaschine in den vierten Seenotrettungskreuzer der neuen 28-Meter-Klasse ein. Das rund 3,8 Tonnen schwere Aggregat hängt an stabilen Gurten am Brückenkran. Reißen darf jetzt nichts, wenige Zentimeter über der offenen Wartungsluke. Hochkonzentriert bugsieren die Mitarbeiter der Fassmer-Werft den Motor durch die enge Öffnung in den Maschinenraum. Unten stehen Kollegen, nehmen ihn an und drehen ihn, noch an Ketten hängend, von Hand in die richtige Position. Langsam lassen sie ihn auf das Fundament herunter. Dabei passen sie seine Lage immer wieder leicht an.

Als die Backbordmaschine schließlich auf ihrem Platz steht, lässt die Anspannung bei den Schiffbauern nach. Kurzes durchschnaufen. Gleich ist der Steuerbordmotor dran. Anfangs ist alles genauso wie bei der ersten Hauptmaschine. Erst über der Wartungsluke wird deutlich: Wegen des bereits eingebauten Backbordmotors ist es dort unten noch enger. Die Schiffbauer drehen, kippen und wenden das Aggregat, bis sie es an seinem Zwilling vorbei auf den vorgesehenen Platz stellen können. Geschafft! In den nächsten Tagen folgt die Feinarbeit, bei der es um Hundertstel Millimeter geht: Die Maschinenbauer richten die beide Motoren exakt auf dem Getriebe und die folgende 6,5 Meter lange Welle bis zum Propeller aus. Erst danach verbinden sie die Aggregate fest mit dem Fundament.

Wie der Bau der neuen HAMBURG weitergeht und was bereits zuvor geschah, ist im Werft-Tagebuch der Seenotretter zu sehen.

Maschinist Christian Erdwiens (l.) und Vormann Ralf Brinker stehen zwischen den beiden Hauptmaschinen, die die HAMBURG später auf bis zu 24 Knoten beschleunigen werden. Foto: Jörg Sarbach

Hamburg und die Seenotretter

Nach 35 Jahren Pause wird es wieder einen Seenotrettungskreuzer mit dem Namen HAMBURG geben. Auch wenn die DGzRS seit mehr als 150 Jahren ihren Sitz in Bremen hat (was übrigens 1866 in Hamburg beschlossen wurde), ist die Hansestadt an der Elbe mit ihrem Seehafen als „Tor zur Welt“ immer von besonderer Bedeutung für die Seenotretter gewesen. Kaufleute und Reeder, Fahrensleute und Schiffsmakler, Hafenarbeiter und Skipper, aber auch viele Hamburger, die nicht direkt etwas mit der Seefahrt zu tun haben, unterstützen die Seenotretter seit jeher. Heute fördern rund 20.000 Hamburger die Seenotretter mit regelmäßigen Spenden, und knapp 900 Sammelschiffchen haben dort ihren „Liegeplatz“. Zum Dank soll 2020 ein Wettbewerb unter den Stadtteilen über den Namen des Tochterbootes der neuen HAMBURG entscheiden. Der Neubau wird die vierte Rettungseinheit dieses Namens in der Geschichte der Seenotretter sein.

Spende für den Neubau

Eine Spende für den neuen Seenotrettungskreuzer ist am einfachsten online möglich auf der Website www.spendemanöver.de mit Stichwort HAMBURG. Überweisungen sind mit gleichem Stichwort möglich auf das Spendenkonto der DGzRS bei der Hamburger Sparkasse, IBAN: DE24 2005 0550 1280 1967 73. Darüber hinaus bieten die Seenotretter die Aktion „Name an Bord“ erneut an: Ab 5.000 Euro Spende fährt der eigene Name, der eines Unternehmens oder eines Menschen, der besonders geehrt werden soll, auf einer Danktafel an Bord der HAMBURG bei jedem Einsatz mit.

Die Eckdaten der neuen Klasse:

• Länge über Alles: 27,90 Meter 

• Breite über Alles: 6,2 Meter 

• Tiefgang: 2,00 Meter

• Geschwindigkeit: 24 Knoten (ca. 45 km/h) 

• Besatzung: 9/4 Pers. (Stamm/Einsatz)

• Antrieb: zwei Propeller, je 1.440 kW/1.958 PS = 2.880 kW/3.916 PS 

• Verdrängung: 120 Tonnen

Moin! Wenn Sie weiter in diesen Gewässern kreuzen, geben wir Ihnen ein paar Cookies mit an Bord. Wie Sie diese Fracht selbst verwalten können, erfahren Sie hier. Angenommen Close